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Pressemitteilungen 2015 - September


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PM 78 / 2015
04.09.2015

Pro-Kopf-Arbeitszeit seit 2000 um 128 Stunden gesunken

In Sachsen-Anhalt wurden im Jahr 2014 von den 1 008,7 Tausend Erwerbstätigen 1 448,9 Millionen Arbeitsstunden geleistet. Damit betrug die Pro-Kopf-Arbeitszeit je Erwerbstätigen durchschnittlich 1 436 Stunden, das waren 128 Stunden weniger als im Jahr 2000.

Das Statistische Landesamt hat jetzt revidierte Zahlen zum Arbeitsvolumen ab dem Jahr 2000 vorgelegt. Damit sind wieder langfristige Vergleiche möglich. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen, das die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen umfasst, sank im Jahr 2014 gegenüber dem Jahr 2000 um 227,1 Millionen Stunden oder 13,6 Prozent. Verursacht wurde dieser Rückgang durch die Verringerung der Erwerbstätigenzahl um 62 800 Personen bzw.um 5,9 Prozent. Außerdem war eine starke Zunahme der Teilzeitbeschäftigung bei gleichzeitigem Rückgang der Vollzeitbeschäftigung in diesem Zeitraum zu verzeichnen. Im Jahr 2014 betrug die durchschnittliche Pro-Kopf-Arbeitszeit der Erwerbstätigen 1 436 Stunden (Bundesdurchschnitt 1 371 Stunden). Im Jahr 2000 waren es 1 564 Stunden (Bundesdurchschnitt 1 452 Stunden). Dabei entwickelte sich das Arbeitsvolumen nach der Stellung im Beruf betrachtet unterschiedlich. Je Arbeitnehmer betrug die geleistete Arbeitszeit 1 380 Stunden (Bundesdurchschnitt 1 302 Stunden). Im Jahr 2000 waren es 1 501 Stunden (Bundesdurchschnitt 1 360 Stunden). Bei den Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen war die Pro-Kopf-Arbeitszeit höher. Sie betrug 2 000 Stunden (Bundesdurchschnitt 1 973 Stunden). Im Jahr 2000 lag sie bei 2 283 Stunden (Bundesdurchschnitt 2 284 Stunden).

Nach Wirtschaftsbereichen betrachtet entwickelte sich das Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen in Sachsen-Anhalt gegenüber dem Jahr 2000 sehr differenziert. Während es in den Bereichen Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen (+ 14,4 Prozent), Verarbeitendes Gewerbe (+ 6,8 Prozent) sowie Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe (+ 2,5 Prozent) zunahm, sank es in den anderen Wirtschafts-bereichen. Den stärksten Rückgang hatte der Bereich Baugewerbe (- 43,1 Prozent), gefolgt von der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (- 27,9 Prozent), Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation (- 17,1 Prozent) sowie Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit (- 14,6 Prozent).

Die meisten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen wurden, wie in den Vorjahren, im Baugewerbe mit 1 634 Stunden (2000: 1 674 Stunden) sowie in der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei mit 1 573 Stunden (2000: 1 699 Stunden) geleistet. Am kürzesten war die jährliche Pro-Kopf-Arbeitszeit dagegen in den Dienstleistungsbereichen mit 1 383 Stunden (2000: 1 521 Stunden), wo Teilzeitarbeit und marginale Beschäftigung eine größere Rolle spielen.

Ursachen für die Unterschiede zum Bundesdurchschnitt und zwischen den Wirtschaftsbereichen sind neben verschiedenen tariflichen und individuellen Arbeitszeiten (Vollzeit-, Teilzeit-, marginale Beschäftigung), den unterschiedlichen Beschäftigungsstrukturen (abhängige und selbstständige Erwerbstätigkeit) und Wirtschaftszweigstrukturen auch die Mehr- und Kurzarbeit sowie krankheitsbedingte Ausfallzeiten und die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage in den Bundesländern. Die verschiedenen regionalen und strukturellen Pro-Kopf-Arbeitszeiten sind somit kein Maßstab der Intensität und Qualität der verausgabten Arbeitszeit.

Diese vom Arbeitskreis „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“ (AK ETR) ermittelten Zahlen beruhen auf dem Berechnungsstand des Statistischen Bundesamtes und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Februar 2015. Dabei wurden im Zuge der Revision 2014 die Jahre von 2000 bis 2007 überarbeitet. Diese Daten sind nicht mit Ergebnissen früherer Veröffentlichungen vergleichbar. Ergebnisse für die Jahre 2008 bis 2014 wurden bereits im März 2015 veröffentlicht.

Hauptanlässe der Revision 2014 waren die europaweite Einführung des neuen "Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 2010" (ESVG 2010) und die Einarbeitung neuer Berechnungsgrundlagen wie die Ergebnisse der revidierten Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Hinsichtlich der Arbeitsvolumenberechnungen müssen nach ESVG 2010 neuerdings u.a. auch ausdrücklich die unbezahlten Überstunden erfasst werden.

 

Geleistete Arbeitsstunden der Erwerbstätigen am Arbeitsort in Sachsen-Anhalt
2000 und 2014 nach Wirtschaftsbereichen
 

Wirtschaftsbereich (WZ 2008)

2000

2014

2000

2014

in Millionen Stunden

je Erwerbstätigen
in Stunden

 A       Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 

47,8

34,5

1 699

1 573

B-F   Produzierendes Gewerbe 

509,0

414,9

1 654

1 572

B-E   Produzierendes Gewerbe ohne
          Baugewerbe 

 274,8

281,7

1 638

1 544

          darunter: C Verarbeitendes Gewerbe

233,6

249,4

1 648

1 544

F       Baugewerbe 

234,2

133,2

1 674

1 634

G-T   Dienstleistungsbereiche 

1 119,3

 999,6

 1 521

1 383

G-J   Handel, Verkehr, Gastgewerbe,
          Information und Kommunikation 

405,8

336,6

1 574

1 396

K-N   Finanz-, Versicherungs- u.
          Unternehmensdienstl.,
          Grundstücks- u. Wohnungswesen 

185,7

212,4

1 527

1 358

O-T   Öffentliche und sonstige Dienstleister,
          Erziehung, Gesundheit

527,8

450,6

1 481

1 385

 Insgesamt

1 676,1

1 448,9

1 564

1 436

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Ergebnisse zur Erwerbstätigkeit können auf der Internetseite des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt www.statistik.sachsen-anhalt.de unter Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder (Regionalberechnungen zur Erwerbstätigkeit) oder auf der Homepage des Arbeitskreises „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“ www.ak-etr.de abgerufen werden. Zu den neuen Ergebnissen liegt außerdem eine vom Arbeitskreis erstellte Publikation „Arbeitsvolumen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland 2000 bis 2014, Reihe 1, Band 2“ in elektronischer Form (Excel bzw. PDF) vor, die kostenlos über das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt (shop@stala.mi.sachsen-anhalt.de) bestellt oder über das Online-Angebot des Arbeitskreises www.ak-etr.de heruntergeladen werden kann.

 

Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, Richter, marginal Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige beziehungsweise als mithelfende Familienangehörige eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Nicht zum Arbeitsvolumen gehören hingegen die bezahlten, aber nicht geleisteten Arbeitsstunden, beispielsweise Jahresurlaub, Elternzeit, Feiertage, Kurzarbeit oder krankheitsbedingte Abwesenheit. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben die nicht bezahlten Pausen für das Einnehmen von Mahlzeiten sowie die Zeit für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz. Das Arbeitsvolumen umfasst somit die Gesamtzahl der während des Berichtszeitraums am jeweiligen Arbeitsort von Arbeitnehmern und Selbstständigen innerhalb einer Region tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden. Es berücksichtigt weder Intensität noch Qualität der geleisteten Arbeit. Das Arbeitsvolumen ergibt sich als Produkt aus Erwerbstätigenzahl und Arbeitszeit je Erwerbstätigen.
Das durchschnittliche Pro-Kopf-Arbeitsvolumen wird für die Wirtschaftszwei­ge bzw. Länder in besonderem Maße vom Anteil der Teilzeitkräfte und der marginal Beschäftigten geprägt, dagegen in nur gerin­gem Maße durch tarifliche Unterschiede. Nicht statthaft sind daher Wertungen als „Unter­schiede im Fleiß“ oder in der Arbeitsbereit­schaft der Erwerbstätigen einzelner Branchen oder Regionen (mit unterschiedlichem Bran­chenmix) ohne genaue Kenntnis der zu Grun­de liegenden Fakten.
Die Gliederung nach Wirtschaftsbereichen erfolgt nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008).



Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht.


    Pressemitteilung    


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