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Pressemitteilungen 2015 - August


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27.08.2015

Alterskrankheit Demenz

Unsere Gesellschaft wird älter. Einer immer höheren Lebenserwartung steht ein immer geringer werdender Anteil an jungen Menschen in der Bevölkerung gegenüber. Das Thema Demenz sowie die Betreuung dementer Menschen rücken zunehmend in den Fokus.

Als Demenz bezeichnet man ein neurologisches Krankheitsbild mit Defiziten im Kurzzeitgedächtnis, ferner im Denkvermögen, in der Sprache und Motorik. Es geht mit Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur einher, welche zu Störungen bei kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten führen.

Aus mehreren unterschiedlichen Statistiken des sozialen Bereiches können wir Aussagen zum Thema Demenz treffen“ sagte der Präsident des Statistischen Landesamtes Michael Reichelt zu Beginn der heutigen Pressekonferenz, die dem Thema „Alterskrankheit Demenz“ gewidmet war. 
„Wir haben zum Einen die aller zwei Jahre durchzuführende Pflegestatistik, in der 2013 erstmals das Merkmal „Erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz“ erfasst wurde, zum Anderen die jährliche Krankenhausstatistik mit dem Nachweis über vollstationär behandelte Patienten, die an Demenz erkrankt sind und dann natürlich auch noch die jährliche Todesursachenstatistik. Ganz besonders hier ist zu erkennen, dass bei der Feststellung der Todesursache die Sensibilität der Ärzte für Demenz als Todesursache in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Das Maß an Pflege und Hilfe, die eine betroffene Person benötigt, erhöht sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung. In solchen Fällen greifen die Leistungen der Pflegeversicherung nach SGB XI“. 

Im Weiteren erläuterte der Präsident die aktuellen Zahlen:

In Sachsen-Anhalt waren zum Jahresende 2013 in 534 ambulanten Pflegediensten (2011: 521) 9 774 Personen beschäftigt (2011: 8 752).
In den 517 stationären Pflegeeinrichtungen waren 20 071 Personen tätig (2011: 471 Einrichtungen, 18 600 Beschäftigte).

Zum Jahresende 2013 erhielten 92 416 Personen im Land Sachsen-Anhalt Leistungen aus der Pflegeversicherung. Das entsprach einem Anstieg von fast 5 Prozent gegenüber 2011. Je 1 000 Einwohner Sachsen-Anhalts waren 41 Personen pflegebedürftig. Pflegerische Leistungen wurden im Jahr 1999 von jedem 40. Sachsen-Anhalter beansprucht, im Jahr 2013 betraf dies schon jeden 24. Einwohner. Etwas mehr als 85 Prozent der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre und älter.

In Sachsen-Anhalt wurden mehr als zwei Drittel (64 133 Personen) aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt, von denen wiederum 64 Prozent durch Angehörige betreut wurden, 6,4 Prozent mehr als 2011. Diese erhielten ausschließlich Pflegegeld.
Von den ambulanten Pflegediensten wurden 23 031 Pflegebedürftige betreut. Das waren 506 Pflegebedürftige (2,3 Prozent) mehr als im Jahr 2011.
Nahezu ein Drittel (28 283) aller pflegebedürftigen Menschen wurde in Pflegeheimen vollstationär versorgt, 1 432 Personen (5,3 Prozent) mehr als zwei Jahre zuvor.

Von den 92 416 Pflegebedürftigen wies ein Drittel (30 892 bzw. 33,4 Prozent) auch eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz auf, davon 66,2 Prozent Frauen und 33,8 Prozent Männer.

Bei mehr als der Hälfte (59,9 Prozent) der pflegebedürftigen Menschen in Pflegeheimen und bei 28,0 Prozent der durch ambulante Pflegedienste betreuten pflegebedürftigen Personen  wurde eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt.
Von den Pflegebedürftigen die zu Hause durch Angehörige betreut wurden, wiesen lediglich 18,3 Prozent eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz auf.

Von allen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz betroffenen Pflegebedürftigen wurden 54,8 Prozent stationär, 20,9 Prozent ambulant und 24,3 Prozent von Angehörigen betreut.

Bei weiteren 3 288 Personen lag keine Pflegebedürftigkeit bzw. Pflegestufe nach den Bestimmungen des SGB XI vor, aber es war bei ihnen eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt worden (sogenannte Pflegestufe „0“), darunter waren mehr als die Hälfte Frauen (55,1 Prozent).
Hinsichtlich der Versorgungsarten ergab sich hier ein deutlich anderes Bild. Führend war hier die Versorgung durch Angehörige mit 64,4 Prozent, gefolgt durch die Betreuung durch ambulante Dienste (32,0 Prozent) und die vollstationäre Pflege in Heimen mit 3,6 Prozent.

Die vollstationäre Versorgung dementer Menschen im Krankenhaus spielt insgesamt eine geringere Rolle. So wurden hier im Jahr 2013 insgesamt 2 721 Sachsen-Anhalter (1 097 Männer und 1 624 Frauen) auf Grund einer Demenz behandelt. Das waren lediglich 0,4 Prozent aller Behandlungsfälle. Betrachtet man allerdings ausschließlich den Anteil der Personen mit vollendetem 65. Lebensjahr und Ältere so kommt man immerhin auf einen Anteil von 0,9 Prozent (2 596 Fälle).

In der Todesursachenstatistik haben Demenzerkrankungen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Demenz und ihre Folgeerkrankungen wie z.B. Infektionen durch mangelnde Hygiene, Exsikkose (Volumenmangel, Dehydration) durch Essstörungen oder Magen-Darm-Infektionen, Lungenentzündung durch Bettlägerigkeit werden immer häufiger im kausalen Zusammenhang durch Ärzte angesehen.
So spielten demenzielle Erkrankungen wie die vaskuläre Demenz oder die Alzheimer-Krankheit bis zum Jahr 2005 eine untergeordnete Rolle. Die Fallzahlen bewegten sich hier zwischen 207 Todesfällen im Jahr 2003 und 159 Todesfällen im Jahr 2005. Erst danach stiegen die Fallzahlen an. Im Jahr 2014 wurden 919 solcher Todesfälle (3,0 Prozent aller Todesfälle) ermittelt und erreichten damit den aktuellen Höchststand.

Demente Menschen benötigen Hilfe und Zuwendung. Nicht selten werden solche Personen durch Angehörige betreut. Fällt diese Betreuung weg, so kann sich das Alleinsein stark auf die Psyche auswirken, möglicherweise depressive Formen annehmen und im Suizid enden. Zumindest belegen dies die Zahlen im Suizidgeschehen. So verüben insbesondere verwitwete und ältere Männer einen Suizid.

Weiterführende Information sind im Internet zu finden unter:

http://www.statistik.sachsen-anhalt.de/download/stat_berichte/6K801_2j_2013.pdf

http://www.statistik.sachsen-anhalt.de/download/stat_berichte/6A402_j_2013.pdf



Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht.


    Pressemitteilung    


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